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Impuls · 06.10.2026

Gefühle sind Wegweiser

Hinter vielem, was wir tun, steht ein Gefühl.

Wir wünschen uns Nähe, Anerkennung, Sicherheit, Freiheit oder Erfolg – auch weil wir uns davon ein bestimmtes Gefühl erhoffen. Und wir vermeiden Konflikte, Ablehnung, Versagen oder Verlust, weil wir fürchten, wie wir uns dabei fühlen könnten.

Gefühle stehen nicht am Rand unseres Lebens. Sie stehen mitten darin.

Doch nehmen wir sie wirklich ernst?

Freude, Leichtigkeit und Begeisterung dürfen meist bleiben. Angst, Wut, Trauer, Scham oder Enttäuschung möchten wir dagegen oft möglichst schnell loswerden. Wir lenken uns ab, versuchen das Gefühl zu kontrollieren oder sagen uns, dass wir uns nicht so fühlen sollten.

Viele Menschen haben früh gelernt, bestimmte Gefühle zurückzuhalten:

– Sei nicht so empfindlich.
– Du brauchst keine Angst zu haben.
– Reiß dich zusammen.

Das geschah nicht unbedingt in böser Absicht. Gefühle zu unterdrücken konnte einmal ein nützlicher Weg sein, um dazuzugehören, Konflikte zu vermeiden oder eine schwierige Situation zu bewältigen. Was früher hilfreich war, kann später jedoch dazu führen, dass wir uns selbst nicht mehr wirklich fühlen und wahrnehmen.

Ein Gefühl ernst zu nehmen bedeutet nicht, ihm ausgeliefert zu sein oder sofort danach handeln zu müssen.

Wut darf da sein, ohne dass wir jemanden angreifen.
Angst darf da sein, ohne dass sie jede Entscheidung trifft.
Trauer darf da sein, ohne dass wir sie sofort wegmachen müssen.

Gefühle sind Wegweiser – keine Befehle.

Manchmal zeigt ein Gefühl, dass gerade eine Grenze überschritten wird. Manchmal erinnert es an etwas Früheres. Oft ist beides da.

Vielleicht magst du heute darauf achten:

  • Was fühle ich gerade wirklich?
  • Worauf möchte mich dieses Gefühl aufmerksam machen?
  • Und kenne ich dieses Gefühl vielleicht schon aus einer früheren Zeit?

Ist ein Gefühl stärker, als es die heutige Situation allein erklären kann, wirkt vielleicht eine frühere Erfahrung mit.

Veränderung beginnt nicht erst, wenn ein unangenehmes Gefühl verschwunden ist. Sie kann in dem Moment beginnen, in dem wir es nicht mehr bekämpfen, sondern bei uns bleiben und ihm zuhören.

Dann können wir besser verstehen, was in uns wirkt und was wir heute brauchen. Daraus kann eine neue Entscheidung entstehen – statt weiterhin automatisch so zu reagieren, wie wir es einmal gelernt haben.

Herzlichst
Alois Mennel

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