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Impuls · 31.10.2026

Tod und Leben – annehmen und loslassen

In den Tagen um Allerheiligen denken viele von uns an Menschen, die gestorben sind. Wir besuchen ein Grab, zünden eine Kerze an oder erinnern uns an gemeinsame Zeiten.

Manchmal genügt ein Foto, ein Lied oder eine vertraute Geste, und ein Mensch ist uns innerlich wieder ganz nah. Wir möchten etwas erzählen oder zum Telefon greifen – und spüren dann, dass dieser Kontakt nicht mehr möglich ist.

Ein Mensch fehlt. Und doch bleibt vieles von dem, was uns mit ihm verbunden hat: Liebe, Erinnerungen, Erfahrungen und auch Fragen oder Worte, die nie ausgesprochen wurden.

Nicht jede Beziehung war einfach. Neben Dankbarkeit hat auch Ärger Platz. Neben Liebe auch Enttäuschung. Der Tod macht aus einer schwierigen Beziehung nicht nachträglich eine heile. Auch das, was offengeblieben ist, darf wahrgenommen werden.

Den Tod anzunehmen, braucht oft Zeit. Im Kopf wissen wir, dass dieser Mensch gestorben ist. Innerlich warten wir vielleicht noch auf ihn. Loslassen heißt hier, die Erwartung aufzugeben, dass alles wieder wie früher wird.

Trauer folgt dabei keinem vorgeschriebenen Tempo und kann selbst nach langer Zeit wieder spürbar werden. Wir müssen uns weder beeilen noch dafür rechtfertigen, dass jemand noch immer fehlt.

Und manchmal taucht noch eine andere Frage auf: Darf ich mich wieder freuen? Darf mein Leben gut sein, obwohl dieser Mensch nicht mehr da ist?

Ein schöner Tag kann sich dann beinahe, wie Untreue anfühlen. Als würden wir den anderen vergessen, sobald wir lachen, etwas Neues beginnen oder uns dem heutigen Leben zuwenden.

Doch Weiterleben bedeutet nicht, die Verbindung aufzugeben. Freude nimmt der Liebe nichts weg. Und unser Leiden muss kein Beweis dafür sein, wie wichtig uns jemand war. Wir können vermissen und gleichzeitig einen schönen Moment erleben. Wir können zurückschauen und dennoch einen nächsten Schritt tun. Beides darf nebeneinander bestehen.

Ein Abschied kann uns an die eigene Sterblichkeit erinnern. Auch unsere Zeit ist begrenzt. Das lenkt den Blick auf das, was uns heute am Herzen liegt.

Für einen stillen Moment rund um Allerheiligen:

  • An wen denke ich heute?
  • Was fühle ich, wenn ich mich erinnere?
  • Und was möchte in meinem eigenen Leben wieder mehr gelebt werden?

Es braucht keine schnelle Antwort. Vielleicht reicht es zunächst, die Erinnerung da sein zu lassen und zugleich wahrzunehmen: Auch ich bin noch da. Mit meinen Gefühlen, meinen Beziehungen und meinem Leben.

Herzlichst
Alois Mennel

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